Ran an die Führungskrafte!

Eine Klientin, die sich nach der Eigenkündigung beruflich neu aufstellen möchte, nannte im Coaching als Grund für die Kündigung eine (ich darf zitieren) durchweg ausbaufähige Kommunikation seitens ihrer Führungskraft. Überrascht hat mich die Begründung leider nicht. Denn tatsächlich spielt die Führungskraft oder in kleinen Unternehmen die Geschäftsleitung bei der Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch die Arbeitnehmer:innen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Mangelhafte oder gar fehlende Zielvorgaben sowie Mixed Messages hinsichtlich zu erreichender Ziele, eine intransparente und wenig wertschätzende Kommunikation oder das ungefilterte Weiterreichen des Businessdrucks nach unten und wahnwitzigem Workload sind nur einige der Gründe für abflauende Motivation, steigenden Stress bis hin zum Burnout, eine sinkende Identifikation mit den Aufgaben einerseits und mit dem Unternehmen als Ganzes anderseits. Am Ende steht nicht selten die Eigenkündigung.

Was für Arbeitnehmer:innen meist ein schwerer Schritt, der jedoch neue Chancen in sich bergen kann, bedeutet für die Unternehmen einen Verlust v.a. von Fachkompetenzen. Das Problem ist längst erkannt. Seit Jahren wird darüber gefachsimpelt, wie Führungskräfte besser auf ihre Rolle vorbereitet werden können. Denn tatsächlich kommen viele Führungskräfte in den Genuss der Leitungsfunktion v.a. aufgrund langjähriger Erfahrung in einem Bereich und einer damit verbundenen fachlichen Expertise. Der Schritt zur Führungskraft scheint da häufig die logische Konsequenz, denn es muss ja auf der Karriereleiter weiter nach oben gehen. Nebenbei bemerkt: Die Expertenlaufbahn als Karrierepfad findet leider noch immer zu wenig Berücksichtigung in der Laufbahnplanung im Unternehmen.

Doch noch immer scheuen viele Unternehmen die finanziellen und zeitlichen Ressourcen, die es benötigt, sicherzustellen, dass angehende Führungskräfte die dringlich benötigten Persönlichkeits- und Sozialkompetenzen für die neue Rolle mitbringen oder aber vorbereitend in diesen geschult werden. Es braucht hier deutlich mehr Weitblick der Managementebene, um nachhaltige Personalentscheidungen zu treffen.